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Artikel aus dem Magazin "rik" 04/2007:

Erotik mit Tradition verbinden

Die homo-erotische Kunst des chinesischen Künstlers Muskboy

Premiere mit einem Knaller: Zur ersten Gegenwartskunstmesse „Tease Art Fair“ bringt die „Agency Yorckberlin“ homo-erotische Federzeichnungen eines chinesischen Künstlers nach Köln. Muskboy ist in der hauptstadt Peking geboren und aufgewachsen, im letzten Jahr hat es ihn der Liebe wegen nach Berlin verschlagen. Aus Rücksicht auf seine Familie muss der junge Künstler sein Pseudonym unter Schwulen gebräuchliches Codewort. Der rik erzählt er vom schwulen Leben in China und von seinem Werk, das in der Heimat nicht gezeigt werden darf.

schwules Leben m Untergrund
„Vom Ende der Siebziger bis in die Achtziger hinein waren die zwei öffentlichen Toiletten vom Tiananmen-Platz vielleicht die bekanntesten Scene-Orte für schwule Männer. Man nannte sie „Ost Palace und West Palace“ bezeichnet. Zu der Zeit gab es eine schwule Scene nur im Untergrund und schwule „Aktivitäten“ galten als „unsittliche Handlung“. Das Cruising war nicht ungefährlich, immer gab es Stress mit der Polizei und ihren ständigen Kontrollen.
Trotz des ganzen Ärgers war es damals doch eine schöne Zeit für Schwule. Als Erkennungszeichen trugen sie immer ein weißes Tuch in der Hosentasche, damit sie nicht an den „Falschen“ gerieten. In den Achtzigern gab es auch einige, wenige in Insiderkreisen bekannte öffentliche Badehäuser. Egal welchen Ort man aufsuchte, immer war es heimlich geschehen, mit der Angst verbunden, entdeckt zu werden.
Vor zehn Jahren, 1997, wurde die Passagen über den schwulen Sex als „unsittliche (unzüchtige) Handlung“ aus dem Strafgesetzbuch getilgt. Der private Sex und auch Analverkehr zwischen männlichen Erwachsenen galt jetzt als erlaubt. Am 20. April 2001 wurde Homosexualität auch in China von der Liste der Geisteskrank-heiten gestrichen.
Im 21. Jahrhundert ist eine neue Generation herangewachsen. Das Internet ist heute das Hauptmedium für den chinesischen Schwulen, wenngleich es immer noch unter der strengen Zensur der Regierung steht. Bei „Säuberungsaktionen“ werden immer wieder schwule und pornografische Sites aus dem Verkehr gezogen und inländische Betreiber hoch bestraft. Schwulsein gilt noch immer beinahe als Tabu, aber es gibt jetzt schon immer mehr Artikel und Bücher darüber, und auch im Fernsehen wird manchmal über schwules Leben gesprochen.
Doch innerhalb der Familien existiert das Thema nicht; man erwartet, dass der Sohn heiratet. Wenn er diesen Weg nicht einschlagen will, muss er in eine andere Stadt ziehen, nur dort ist ein schwules Leben - im Verborgenen - möglich. Damit fängt aber auch ein Teufelskreis an. Ein Schwuler Mann kann nicht in jeder Großstadt arbeiten, weil er keine Arbeits- und Zuzugserlaubnis bekommt. Am Ende gehen viele Schwule dann doch eine Ehe ein und führen ein Doppelleben, im Spagat der Gefühle.

Schwule Tradition
Teil der Kultur
Meine soft-erotische Kunst ist der chinesischen Regierung immer noch zu unmoralisch und kann zurzeit nicht öffentlich ausgestellt werden. Deswegen habe ich früher nur meine Kunst nur auf den schwulen Webseiten ausgestellt - nie unter meinem Namen und immer bei einem ausländischen Server.
Eigentlich hat China eine lange Tradition von schwuler Liebe, seit weit über 1500 Jahre findet man Hinweise auf Homosexualität in Gedichten und Erzählungen. „Erotik“ ist als Begriff recht neu für uns; früher gab es nur Sex-Bilder, oder so genannte "Frühlings-Palast-Bilder". Bei den bildlichen Darstellungen wurde kein Unterschied gemacht, gezeigt wurde Sex zwischen Männern und zwischen Frauen.
Für mich ist es wichtig, dass die alte Tradition mit der neuen Kultur verbunden bleibt. Man sieht nicht nur sehr schöne asiatische Männer, sondern immer auch traditionelle Kleidung, Blumen, Häuser, Schriftzeichen etc. Dem Betrachter wird hier ein Einblick in eine andere Kunst und Welt ermöglicht und er soll mit auf eine Reise nach China genommen werden. Ich möchte mit meinen Bildern zeigen, dass Erotik und Kunst schon immer verbunden waren und die schwule Tradition ein Teil der chinesischen Kultur ist und nicht eine „neue kapitalistische Idee" aus der westlichen Welt.

Liebe in Berlin
Der wichtigste Grund, in Berlin zu leben, ist für mich, dass ich hier die wahre Liebe gefunden habe. Liebe ist die schönste Sache im Leben, darum ist sie auch immer die Quelle meiner Kunst. Berlin ist mittlerweile schon wie eine zweite Heimat für mich. Eine Stadt mit viel Kultur, Geschichte und Flair, die saubere Luft und die vielen Grünflächen hier, und es ist wie in einem Traum, dass ich meine Kunst endlich öffentlich zeigen darf.“
(Muskboy, März 2007)

 

Muskboy bei der 1. Kölner Tease Art Fair, 19.-22.04.
präsentiert von Agency Yorckberlin.
(Eröffnung 18.04, 18.00 Uhr) im RheinTriadem,
Konrad-Adenauer-Ufer 3, 50668 Köln.

Mehr zur Messe unter
http://www.yorckberlin.com/teaseartfair.html
http://www.tease-online.de/

 

Artikel aus dem Magazin "box" 04/2007: